Die Internationale Makroseismische Skala 2025 (IMS-25) repräsentiert eine Überarbeitung und Erweiterung von Teilen der Europäischen Makroseismischen Skala von 1998 (EMS-98). Die IMS-25 wurde von der IMS-Arbeitsgruppe entwickelt und als Band 33 der „Cahiers du Centre Européen de Géodynamique et de Séismologie“ veröffentlicht, worin auch die EMS‑98 und die mit ihr zusammenhängenden Ausgaben erschienen sind, wie z.B. die Übersetzungen.
Da sich die EMS-98 über Jahrzehnte dank ihrer Innovationen bewährt hat, sind große Teile davon in die IMS-25 unverändert oder praktisch unverändert eingeflossen, z.B. die Definitionen der Intensitätsgrade, die Kurzform der Skala und weitgehend die bisher enthaltenen Schadensgrade für Mauerwerksbauten und Stahlbetonbauten sowie Teile der Guidelines. Daher handelt es sich bei der IMS-25, wie in deren Einleitung erwähnt, eigentlich nicht um eine neue makroseismische Skala - vielmehr ermöglichen ihre Erweiterungen eine spezifischere makroseismische Schadensklassifizierung sowohl traditioneller als auch moderner erdbebengerechter Bauwerkstypen.
Zu den neuen Features der IMS-25 gehören (i) eine Erweiterung der Vulnerabilitätstabelle mit ihren etablierten sechs Vulnerabilitätsklassen, die nun 26 Bauwerkstypen umfasst, (ii) illustrierte Schadensgradtabellen für weitere Gebäudetypen, (iii) die Erweiterung der bisherigen Fotoserie um zusätzliche Beispiele beschädigter Gebäude, die zur Veranschaulichung für die Zuordnung von Vulnerabilitätsklassen und Schadensgraden dienen und (iv) unterstützende Materialien zur makroseismischen Bewertung von Gebäuden mit erdbebensicherer Bauweise.
In der langen Zeit seit der Einführung der EMS-98 (bzw. der EMS-92 im Jahr 1993) war es nie beabsichtigt, deren Anwendung auf Europa zu beschränken. Tatsächlich reicht ihr Anwendungsbereich auch weit darüber hinaus. Mit dem neuen Titel, d.h. IMS, wird dem tatsächlichen Einsatzgebiet der Skala besser Rechnung getragen.
Die IMS-25 bietet die Möglichkeit, durch nationale Anhänge ergänzt zu werden. Diese zusätzlichen Dokumente sollen die makroseismischen Untersuchungen in Regionen der Welt mit spezifischen Gebäudetypen erleichtern, die in entsprechenden Teilen der Skala nicht oder nur begrenzt beschrieben sind.
Im Text der Skala findet sich nach dem Einführungskapitel der Teil I, die Kernskala, gefolgt vom Teil II, den Guidelines zur Anwendung der Skala. Der Teil I umfasst die essenzielle Vulnerabilitätstabelle, die Definitionen der fünf Schadensgrade für die betrachteten Gebäudetypen samt Illustrationen, die Definitionen der Intensitätsgrade sowie die Kurzfassung der Skala. Der Teil II besteht aus vier Kapiteln. Die Kapitel 1 und 2 bieten Anleitungen zur Intensitätsbewertung sowie allgemeine Hintergrundinformationen zur Verwendung der Skala. In Kapitel 3 werden die Grundelemente der Kernskala (Gebäude, Vulnerabilitäten und Schäden) näher beschrieben sowie die in der Vulnerabilitätstabelle enthaltenen Bauwerkstypen und die Zuordnung geeigneter Vulnerabilitätsklassen. In Kapitel 4 werden zahlreiche Beispiele von Fotos beschädigter Gebäude mit zugewiesenen Vulnerabilitätsklassen und Schadensgraden präsentiert, um die Schadensklassifizierung von Gebäuden zu erleichtern. .
Die Kapitel 1 und 2 genügen für die Bewertung geringerer Intensitäten bzw. zur Nutzung schriftlicher (historischer) Beschreibungen. Feldstudien in Orten, die von höheren, also Schadensintensitäten betroffen wurden, erfordern die Berücksichtigung der Kapitel 3 und 4.
Zitieren Sie die IMS-25 wie folgt: Grünthal, G., Musson, R.M.W., Schwarz, J., Spence, R., Wald, D.J., Wenk, T. (2026) International Macroseismic Scale 2025 (IMS-25). Cahiers du Centre Européen de Géodynamique et de Séismologie, Vol. 33. Centre Européen de Géodynamique et de Séismologie, Luxembourg, 152pp. https://doi.org/10.48440/w22j-df09