Die zentralen Ionischen Inseln im Westen Griechenlands gehören zu den seismisch aktivsten Regionen des Mittelmeerraums. Die Deformation wird größtenteils entlang der Kefalonia-Transformstörung (KTF) aufgenommen, einer bedeutenden rechtssinnigen Blattverschiebungsstörung, die die Apulische Kollisionszone mit dem Hellenischen Subduktionsrand verbindet. Die KTF hat zahlreiche mittelstarke bis starke Erdbeben erzeugt und stellt eine erhebliche Gefährdung durch starke Bodenerschütterungen und potenzielle Tsunamis dar.
Trotz ihrer Bedeutung sind die genaue Lage und die Aktivitätsraten der Störung bislang nur unzureichend bekannt, da küstennahe Bereiche, in denen Störungsspuren zu erwarten sind, bislang kaum untersucht wurden (Wassertiefen von weniger als 125 m). Dieser flache Meeresbodenbereich ist entscheidend für das Verständnis der geomorphologischen Entwicklung aktiver submariner Störungen, da eustatische Meeresspiegelschwankungen ihn abwechselnd submariner und subaerischer Erosion aussetzen. Dieser Prozessgradient führt dazu, dass Störungsskarps unterschiedlich stark überprägt werden, was möglicherweise Rückschlüsse auf ihre Aktivität über verschiedene Zeitskalen hinweg erlaubt. Zudem ist anzunehmen, dass eine aktive Störung, die die Ausdehnung angehobenen Landes bestimmt, heute wahrscheinlich unter dem gegenwärtig hohen Meeresspiegel liegt, wie jüngste Studien aus Japan nahelegen.
Ziel dieses Projekts ist es, die Lücke zwischen Offshore- und Onshore-Beobachtungen der Tektonik zu schließen, indem hochauflösende bathymetrische Karten der flachen küstennahen Zone entlang der KTF erstellt werden. Zu diesem Zweck wird ein kostengünstiges unbemanntes Oberflächenfahrzeug (USV) mit Multibeam-Sonar entwickelt, kalibriert und eingesetzt, um Schlüsselabschnitte der Störungszone sowie potenziell überflutete marine Terrassen zu vermessen. Diese Offshore-Daten werden laufende terrestrische Untersuchungen zur tektonischen Entwicklung der KTF ergänzen.
Die erwarteten Ergebnisse umfassen eine verbesserte Inventarisierung aktiver Störungen sowie präzisere Informationen zu ihrer Geometrie und ihren Versatzraten. Darüber hinaus soll die Wirksamkeit kostengünstiger, auf unbemannten Oberflächenfahrzeugen (USV) basierender Vermessungen für die Untersuchung küstennaher seismogener Störungen demonstriert werden.
Projektlaufzeit: September 2025 – September 2028 (3 Jahre)
Finanzierung: Interne Finanzierung
Beteiligte Forschende der Sektion: Ambrosio Vega-Ruiz & Dr. Luca Malatesta
Kooperationen:
Dr. Pierre Dietrich, Universität Rennes, Frankreich.
Dr. Silvia Crosseto, Sektion 4.1 „Lithosphärendynamik“, GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung.
Marcel Ludwig, Sektion 1.1 „Weltraumgeodätische Techniken“, GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung.