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GFZ auf der GEOTHERM 2026 – Europas größter Geothermie-Messe

Präsentiert wurden das GeoLab Geothermielabor im Bergwerk sowie Projekte zur geothermischen Nachnutzung stillgelegter Bohrlöcher und zur Gewinnung kritischer Rohstoffe aus geothermischen Fluiden.

Auch in diesem Jahr war das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung auf der GEOTHERM expo & congress mit einem Infostand in der Fachausstellung sowie mit Beiträgen im Kongressprogramm vertreten. Europas größte Geothermiemesse fand vom 26. bis 27. Februar 2026 in Offenburg statt und zeigte mit 302 Fachausstellern aus dem In- und Ausland die wachsende Dynamik in der Branche.

Die jährlich stattfindende Veranstaltung deckt das breite Spektrum an Themen der Tiefen, Mitteltiefen und Oberflächennahen Geothermie sowie die Speicherung von Wärme und Kälte im Untergrund ab und hat sich zum zentralen Treffpunkt der europäischen Geothermiebranche aus Wirtschaft, Forschung und Politik entwickelt.

Das GFZ, vertreten durch Mitarbeiter:innen der Sektionen 4.3 „Geoenergie“ und 4.2 „Geomechanik und Wissenschaftliches Bohren“, trat in diesem Jahr zum zweiten Mal als offizieller Partner der GeoTHERM auf und präsentierte seine Forschung zu den Themen „Geothermische Systeme und Energiespeicherung“. Zahlreiche Besuchende informierten sich am GFZ-Stand über die Forschungsarbeiten und Kompetenzfelder des GFZ in der Geothermie. Der Stand ist zudem jedes Jahr Treffpunkt, sich mit Projektpartnern laufender nationaler und europäischer Forschungsvorhaben auszutauschen und neue Projektideen zu entwickeln.  

Im Mittelpunkt der GFZ-Präsentation standen in diesem Jahr 

  • das europäische Projekt TRANSGEO zur geothermischen Nachnutzung stillgelegter Bohrlöcher mit dem Demonstrationsstandort Groß Schönebeck im nördlichen Brandenburg.
  • das Helmholtz-finanzierte Projekt GeoLaB, ein geplantes Geothermielabor in einem noch zu errichtenden Forschungsbergwerk.  
  • das EU-geförderte Projekt CRM-Geothermal zur Gewinnung kritischer Rohstoffe wie Lithium aus geothermischen Fluiden.


TRANSGEO: Nachnutzung stillgelegter Bohrlöcher…

TRANSGEO untersucht, wie stillgelegte Bohrlöcher und Anlagen aus der Gas- und Ölförderung für geothermische Anwendungen nachgenutzt werden können. Ein Thema, das für die Industrie von großem Interesse ist, stellen Bohrungen doch den größten Kostenfaktor bei Geothermieprojekten dar. Die Um- bzw. Nachnutzung bereits existierender Bohrlöcher kann die Anfangsinvestitionen erheblich reduzieren. Zudem ist das Fündigkeitsrisiko deutlich geringer als bei einer Neubohrung, da die Akten alter Bohrungen Auskunft über die geologischen Bedingungen geben. Neben dem Bohrloch selbst kann oft auch vorhandene Infrastruktur genutzt werden. Auch vermeidet eine Nachnutzung neue Eingriffe in die Landschaft und reduziert damit auch den CO2-Fußabdruck.

TRANSGEO wird ko-finanziert durch die Europäische Kommission im Interreg CENTRAL EUROPE Programm und vereint elf Partner aus fünf Ländern. Das Projekt wird von Prof. Dr. Hannes Hofmann koordiniert, der am GFZ in Sektion 4.3 „Geoenergie“ die Helmholtz-Nachwuchsgruppe „Advanced Reservoir Engineering Concepts (ARES)“ leitet. 

…mit Demonstrationsstandort Groß Schönebeck

Unter diesem Aspekt stellt auch die GFZ-Forschungsplattform Groß Schönebeck einen Demonstrationsstandort im TRANSGEO-Projekt dar, der von Hannes Hofmann in seinem Posterbeitrag „Nachnutzung von Tiefbohrungen als tiefe Erdwärmesonden: Demonstration an der Forschungsplattform Groß Schönebeck“ präsentiert wurde. 

Um die Technologie für petrothermale Systeme weiterzuentwickeln und Strategien zur Wiederverwendung bestehender Bohrungen zu erforschen, laufen an dem Standort in Kooperation mit der dänischen Firma Greentherma seit 2025 Untersuchungen mit dem Ziel, die dort vorhandene Bohrung Gt GrSk 4/05 A zu einer tiefen Erdwärmesonde umzurüsten. Ein ab Mai 2026 geplanter mehrmonatiger Test soll die Effizienz der Isolierung, die Stabilität des Vakuums sowie die thermische Leistung und Produktionstemperatur der tiefen Erdwärmesonde unter verschiedenen Strömungsbedingungen bewerten – insbesondere unter Einfluss thermisch leitfähiger Salzschichten.

„Der Standort Groß Schönebeck verdeutlicht damit den Übergang von der Kohlenwasserstoff- zur geothermischen Nutzung und zeigt das Potenzial zur Wiederverwendung stillgelegter Öl-, Gas- und Geothermiebohrungen auf. Gleichzeitig dient er als Testfeld für fortschrittliche koaxiale Bohrlochwärmetauschertechnologien und leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger geothermischer Nutzungskonzepte in Sedimentbecken wie dem Norddeutschen Becken“, erläutert Projektleiter Hannes Hofmann.


GeoLaB – Geothermielabor im Bergwerk

Auch die im kristallinen Grundgebirge geplante Forschungsinfrastruktur GeoLaB, ein gemeinsames Vorhaben der Forschungsbereiche „Energie“ und „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft, stieß auf breites Interesse. Über interdisziplinäre und prozessübergreifende Forschung im realen Maßstab eines Untertagelabors werden Wissenschaftler:innen der drei Helmholtz-Zentren GFZ, KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und UFZ (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) Technologien zur nachhaltigen Erschließung des geothermischen Potenzials des kristallinen Grundgebirges für die Energiewende entwickeln, für die auch Partner und Dienstleister aus der Industrie gefragt sind. 

Informiert wurde über die umfassenden Vorerkundungsmaßnahmen im Odenwald in den letzten zwei Jahren, die u.a. zwei vom GFZ geleitete Seismik-Kampagnen und zwei Erkundungsbohrungen umfassten. Die Ergebnisse der Vorerkundung bilden die Grundlage für die Entscheidung über die Eignung der Tromm-Region für das geplante Geothermie-Untertagelabor, die wiederum die Basis für Kooperationen zur weiteren Standortplanung und -entwicklung darstellt. 

Die Projektleitung von Seiten des GFZ liegt bei Prof. Dr.-Ing. Ingo Sass, Leiter der GFZ-Sektion 4.3 „Geoenergie“. 
 

CRM-Geothermal – Kritische Rohstoffe aus geothermischen Fluiden: Herkunft, Gewinnung, Demonstration

Dr. Katrin Kieling, Projektmanagerin in GFZ-Sektion 4.3 „Geoenergie“, präsentierte das Projekt „CRM-Geothermal“ im Rahmen des begleitenden Konferenzprogramms. Im Vorfeld der GEOTHERM fand zudem eine eigene Projekt-Konferenz statt, in der über Zwischenergebnisse berichtet wurde. 

Die Gewinnung von Lithium und anderen kritischen Rohstoffen (CRM), wie Helium, Strontium oder Seltene Erdelemente aus Tiefenfluiden wird derzeit in vielen geothermischen Gebieten weltweit untersucht. Das Vorkommen von CRM und deren Gewinnungstechnologien sind sehr standortspezifisch, und die wirtschaftliche Machbarkeit einer Co-Gewinnung von Wärme und CRM ist bisher kaum belegt.

Im Allgemeinen bestimmen die geologischen Gegebenheiten die Zusammensetzung der geothermischen Fluide, während die Effizienz der Extraktionstechnologien von der Solezusammensetzung und den Bedingungen der Anlagen abhängt.

Das EU-geförderte Projekt „CRM-Geothermal“ verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Bewertung und Gewinnung von kritischen Rohstoffen aus geothermischen Fluiden in Europa und Ostafrika. 

Dabei werden folgende Ziele verfolgt: 

(I) Um das gesamte Potenzial zu bewerten, wird eine Datenbank aufgebaut und die gesammelten Fluiddaten in einem Fluidatlas visualisiert. 

(II) Die Herkunft und Mobilisierung der CRM werden für unterschiedliche geologische Settings (beispielsweise in kristallinem, geklüfteten Gestein oder in tiefen Sedimentbecken, wo hochsalinare Wässer durch poröse Formationen zirkulieren) untersucht um Prognosen über das Vorkommen bzw. die Nachhaltigkeit einer Extraktion während der Fluidzirkulation machen zu können. 

(III) Innovative Extraktionstechnologien werden für einige CRM wie Lithium, Strontium und Helium für verschiedene Fluidtypen entwickelt. 

(IV) Des Weiteren werden wirtschaftliche, soziale und Umweltaspekte der Verfahren mit einbezogen.

(V) Schließlich soll an einem Standort (Cornwall) die Machbarkeit der CRM Co-Extraktion demonstriert werden.

Das Projekt wird von der EU im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon Europe“ gefördert und von Dr. Katrin Kieling und Prof. Dr. Simona Regenspurg, Arbeitsgruppenleiterin in GFZ-Sektion 4.3 „Geoenergie“, koordiniert. Es sind zahlreiche europäische Partnerinstitutionen beteiligt. 

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