Am 24. März war der neue Helmholtz-Präsident Prof. Dr. Martin Keller zu Gast am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Keller, der seit 1. November 2025 im Amt ist, besucht derzeit alle 18 Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft. Die eintägige Tour über den Potsdamer Telegrafenberg führte Martin Keller und seine Delegation zu zentralen Laboren und Infrastrukturen des GFZ – von der Überwachung und Vorhersage von Georisiken, über das Vermessen der Erde, die Nutzung des geologischen Untergrunds, das Helmholtz-Labor für integrierte geowissenschaftlich-biologische Forschung (GeoBioLab), die transformative Nachhaltigkeitsforschung des RIFS, bis in die Gründungs- und Innovationsetage GITA und das GFZ-Schülerlabor. Dabei boten sich zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch mit Vorstand, Forschenden und Mitarbeitenden zu aktuellen und künftigen Schwerpunkten der Erdsystemforschung. Eine Townhall im randvollen Hörsaal mit Fragerunden und moderiertem Quiz rundete das vielfältige Programm ab.
Das Fazit vom Martin Keller zu seinem Besuch am GFZ:
„Die Erde ist unsere Lebensgrundlage. Wie wir heute mit ihr umgehen, prägt die Umwelt zukünftiger Generationen. Umso wichtiger ist es, das System Erde besser zu verstehen und dieses Wissen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nutzbar zu machen. Genau hier setzt das GFZ an. Es vereint die Erforschung des Systems Erde in einzigartiger Tiefe und Breite – von Prozessen im Erdinneren wie Vulkanismus und Erdbeben über die Entstehung und Gewinnung kritischer Rohstoffe bis hin zu globalen Veränderungen wie Klimawandel, Meeresspiegelanstieg oder Wasserknappheit. Mit modernster Infrastruktur, von Satellitenmissionen bis zu globalen Messnetzen, schafft es die Grundlage für konkrete Handlungsoptionen auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft.“
Die GFZ-Stationen im Detail
Auf der Agenda standen die Überwachung und Vorhersage von Georisiken wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche mit bewährten und einzigartigen Forschungsinfrastrukturen wie dem weltweiten Erdbebenmonitoring-Netzwerk GEOFON, dem GIPP-Instrumentenpool und dem weiter im Ausbau befindlichen Messnetzwerk GONAF zur Überwachung der besonders von Erdbeben bedrohten Region rund um das Marmarameer vor Istanbul. Neue Ansätze umfassen u.a. die Nutzung von faseroptischen Messverfahren und Telekommunikationskabeln zum Monitoring von Erdbeben und Vulkanen, u.a. im kürzlich gestarteten Projekt SAFAtor.
Die Nutzung des Geologischen Untergrunds stand im Fokus des Besuchs in der Hochdruckhalle. Hier wurde demonstriert, wie mithilfe der Polyaxialen Hochdruck-Prüfanlage TrueTriax die realen Druck- und Temperatur-Bedingungen aus mehreren Kilometern Tiefe für Gesteinsuntersuchungen nachgebildet werden können. Das liefert wichtige Erkenntnisse u.a. im Kontext von Geothermie und der geologischen Speicherung von CO2 und Wasserstoff.
Im GeoBioLab, dem „Helmholtz-Labor für integrierte geowissenschaftlich-biologische Forschung“, lautete das Motto: „Innovative Forschung in einem innovativen und nachhaltigen Gebäude“. Das mit der silbernen Plakette für nachhaltiges Bauen ausgezeichnete Gebäude beherbergt modernste Labore für die geomikrobiologische Forschung. Hier geht es u.a. um Fragen zu Stoffwechselprozessen und Überlebensstrategien von Mikroorganismen unter extremen Bedingungen wie Kälte, Hitze und Trockenheit, zur Rolle von Mikroorganismen für die Bildung von Ressourcen und der Rolle von Eisalgen bei der Gletscherschmelze. Das Besondere der Gebäudetechnik: Die Abwärme des integrierten Serverraums wird für die Beheizung der Laborluft des GeoBioLabs und angrenzender Gebäude des GFZ auf dem Telegrafenberg genutzt.
Das RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ, seit Anfang 2023 Teil des GFZ und der Helmholtz-Gemeinschaft, präsentierte im Rahmen eines Marktplatzes, wie die transdisziplinäre, transformative und ko-kreative Nachhaltigkeitsforschung die in weiten Teilen naturwissenschaftlich-technisch orientierte Helmholtz-Gemeinschaft in Sachen Energiewende, Klimawandel und soziotechnischem Wandel sowie in Fragen der nachhaltigen Governance und Partizipation bereichern kann.
„Wir vermessen die Erde“ hieß es auf dem Dach des Gebäudes A17 und am historischen Helmertturm. Hier demonstrierten Forschende der GFZ-Sektionen 1.1 Geodätische Weltraumverfahren und 1.2 Globales Geomonitoring und Schwerefeld zum Beispiel, wie sie aus den Signalen der globalen Navigationssatelliten Informationen zu Temperatur und Wasserdampfgehalt der Atmosphäre gewinnen – und so die tägliche Wettervorhersage verbessern. Der derzeit hinter Planen und Baugerüst verborgene Helmertturm wird nicht nur denkmalschutzgerecht saniert, sondern auch für die mittlerweile vierte Generation der Satelliten-Laser-Ranging-Station auf dem Telegrafenberg fit gemacht. Die SLR-Station dient zur millimetergenauen Vermessung von Satellitenbahnen.
Ausgewählte Erfolgsgeschichten zeigten, wie Gesellschaft und Wissenschaft von langfristigen Entwicklungen profitieren können: Von der erfolgreichen Demonstration der CO2-Speicherung am Brandenburger Standort Ketzin zur geplanten Speicherung von Wasserstoff im Untergrund. Von der vergangenen GRACE- über die aktuelle GRACE-FO bis zur künftigen GRACE-C-Satellitenmission, deren Schwerefeldmessungen das Monitoring des globalen Wasserhaushalts ermöglichen und wichtige Langzeit-Messreihen für die Klimaforschung liefern. Und die Entwicklung der nationalen und internationalen Tiefbohrprogramme von KTB (Kontinentales Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik) über ICDP (Internationales Kontinentales Wissenschaftliches Bohrprogramm) zum Messnetzwerk GONAF rund um das Marmarameer und zur KTB 2.0 – der Nutzung der KTB als Tiefenlabor.
Ein weiterer Schwerpunkt war der erfolgreiche Wissens- und Technologietransfer am GFZ: In der Gründungs- und Innovationsetage GITA tauschte sich Keller mit dem Team Transfer und Innovation sowie mit erfolgreichen Gründer:innen von DiGOS, RIM2D und VFGLab zu Strategien und Rahmenbedingungen aus. Abgerundet wurde dieser Teil durch den Besuch im GFZ-Schülerlabor, bei dem Keller selbst im Experiment einen Vulkan ausbrechen und ein Gebirge wachsen ließ.
Besonders wichtig war Martin Keller der direkte Austausch mit Forschenden und Mitarbeitenden des GFZ. So gab es eine Gesprächsrunde mit „Early Career Scientists“, Forschenden in frühen Karrierestufen. Und im Rahmen einer Townhall bot sich allen GFZ-Mitarbeitenden die Gelegenheit zum Kennenlernen mit Martin Keller. Ein moderiertes Quiz gab spielerische Einblicke in spannende Fakten über das GFZ und die Helmholtz-Gemeinschaft. In Frage-Antwort-Runden nahm Keller auch Anregungen von Seiten der GFZ-Belegschaft mit. Seine Botschaft am Ende: „Helmholtz seid’s Ihr, sind wir alle, in den unterschiedlichsten Positionen“, war eine von Kellers Botschaften. „Danke dafür, wie passioniert Ihr an Eure wissenschaftlichen Aufgaben geht und mit uns gemeinsam in dieses Abenteuer Forschung, mit dem systemischen Ansatz, der uns bei Helmholtz so einzigartig macht und mit dem wir für die künftigen Herausforderungen gut gerüstet sind.“