Dr. Pinar Büyükakpınar ist Mitglied im Koordinierungsausschuss der TopoAsia-Initiative. Die kürzlich gegründete internationale Kooperationsplattform zielt darauf ab, ein 4D-Verständnis der dynamischen Erde in Asien zu fördern – von Mantelkonvektion und lithosphärischen Prozessen bis hin zu Oberflächeninteraktionen mit Klima, Erosion und aktiver Tektonik. Pinar Büyükakpınar, Wissenschaftlerin in der GFZ-Sektion 2.1 „Erdbeben- und Vulkanphysik“, wird mit dem insgesamt 18-köpfigen Koordinierungsausschuss zur Entwicklung der wissenschaftlichen Strategie der Initiative, zum Ausbau ihres internationalen Netzwerks und zur Umsetzung ihrer langfristigen Forschungsvision beitragen.
Die TopoAsia-Initiative
Die TopoAsia-Initiative wurde am 21. Oktober 2025 in Shanghai im Rahmen der 23. China International Talent Exchange Conference (CIEP) ins Leben gerufen. Der erste internationale Workshop hatte über 250 Teilnehmende aus fast 30 Ländern. Aktuell haben sich mehr als 15 Staaten und über 40 Forschungsinstitutionen der Initiative offiziell angeschlossen.
TopoAsia hat sich zum Ziel gesetzt aufzuklären, wie die Dynamik des Erdinneren, die Verformung der Erdkruste und tektonische Prozesse gemeinsam die Topografie Asiens über geologische Zeiträume hinweg prägen. Hierfür stützt sich die Initiative auf die Integration multidisziplinärer Datensätze aus natürlichen Laboratorien – geologisch prägnante Gebiete der Region. Dazu gehört der gesamte Tethysraum mit den westasiatischen Ozeanen wie dem östlichen Mittelmeer und dem Indischen Ozean sowie den Binnenmeeren Schwarzes Meer und Kaspisches Meer –, der Pazifik sowie die gebirgsbildenden orogenen Systeme, die sich entlang der Eurasischen Plattengrenze von den Alpen bis zum Himalaya erstrecken, der zentralasiatische Gebirgsgürtel und die tektonisch stabilen kontinentalen Areale (Kratone).
TopoAsia rückt die Wechselwirkung zwischen Mantelprozessen und Oberflächenerscheinungen in den Fokus, darunter Beckenentwicklung, Plateauhebung, Erosion, Sedimenttransport, Seismizität und vulkanische Aktivität. Die Initiative bietet eine einzigartige Gelegenheit, Asien als natürliches Labor für die 4D-Topografieentwicklung zu untersuchen. Durch koordinierte Feldstudien, großräumige Überwachungsnetzwerke, KI-gestützte Datenintegration und frei zugängliche Archive fördert die Initiative interdisziplinäre Zusammenarbeit und Kapazitätsaufbau und verwandelt regionale Beobachtungen in einen Kontinent-weiten Rahmen für das Verständnis der Entwicklung der asiatischen Topografie sowie von Erdbeben- und Vulkanrisiken.
Inspiriert von den Erfolgen ähnlicher Initiativen wie EUROPROBE (seit 1984) und TOPO EUROPE (seit 2006) zielt TopoAsia darauf ab, ein nachhaltiges, global vernetztes Forschungsnetzwerk zu schaffen, um grundlegende Fragen in den Bereichen Geodynamik, Tektonik, Oberflächenprozesse und Naturgefahrenminderung anzugehen.
Ausblick: Internationales Symposium im November 2026
Im Rahmen seiner laufenden Aktivitäten wird TopoAsia das Internationale Symposium 2026 zu Tiefenerkundung und TopoAsia in Peking, China (7. – 9. November), mitveranstalten – eine Leitveranstaltung, die Fachkreise aus den Bereichen Tiefenerkundung und Oberflächenprozesse zusammenbringt, um das Verständnis der geodynamischen und tektonischen Prozesse sowie der 4D-topografischen Entwicklung des asiatischen Kontinents voranzutreiben.
Zur Person
Dr. Pinar Büyükakpinar ist Principal Investigator am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Hier forscht sie seit 2022 nach Stationen an der Boğaziçi University in der Türkei und dem Istituto Nazionale di Geofisica e Vucanologia (INGV) in Italien.
Seit 2023 leitet sie das von der DFG geförderte CHASING-Projekt, das sich auf Erdbebenschwarmaktivitäten im Eger-Graben konzentriert – einer natürlichen Labor-Region, in der die hochauflösende seismische Überwachung die Migration von Flüssigkeiten, lokalisierte Mantelaufstiege, CO2-Entgasung und das Vorhandensein von magmatischen Schmelzen aufzeigt. Sie ist zudem wissenschaftliche Koordinatorin des ELISE Large N Experiment, einer groß angelegten passiven seismischen Messkampagne mit 300 Sensoren, die 2025 im Eger-Graben gestartet wurde.
Ihre Forschung kombiniert hochauflösende Charakterisierung von Erdbebenquellen, fortgeschrittene seismische Wellenformanalyse und Techniken des maschinellen Lernens, um die Rolle von Flüssigkeiten bei der Auslösung seismischer Schwarmaktivitäten in verschiedenen tektonischen Umgebungen zu analysieren. Ihre Arbeit untersucht zudem, ob die im Eger-Rift beobachteten fluidgetriebenen und magmatischen Prozesse, einschließlich der in der Kruste nachgewiesenen dichten magmatischen karbonatischen Schmelzen, möglicherweise auch in anderen Regionen mit Plattengrenzen aktiv sind, wie beispielsweise in Westanatolien, wo ähnliche seismische Schwarmaktivitäten verzeichnet wurden.
Weitere Informationen zur TopoAsia-Initiative: