Am 01.01.2026 haben Dr. Sahar Sobhkhizmiandehi und Dr. Jannes Münchmeyer im GFZ Discovery Fellowship Programm im Rahmen des 7. Calls begonnen. Mit dem GFZ Discovery Fellowship werden hochinnovative und risikoreiche Projekte über alle Fachbereiche des GFZ bzw. Themen der Programmorientierten Forschung (PoF) hinweg gefördert. Der "GFZ Discovery Fund" bietet jährlich bis zu zwei Postdoc-Stellen für eine Laufzeit von drei Jahren für Nachwuchswissenschaftler:innen. Sie sollen dazu beitragen, die Ausrichtung der Forschung des GFZ weiterzuentwickeln. Von den erfolgreichen Kandidat:innen wird erwartet, dass sie innovative wissenschaftliche Projekte anstoßen und zukünftige Forschungsfelder innerhalb der GFZ-Bereiche identifizieren. Das Forschungsthema ist frei wählbar, muss sich jedoch mindestens einem der PoF-Themen des GFZ zuordnen lassen, einen interdisziplinären Ansatz verfolgen und in enger Zusammenarbeit mit mindestens zwei GFZ-Bereichen durchgeführt werden.
Multidekadiale Trends in der Ionosphäre
+++ Dr. Sahar Sobhkhizmiandehi +++
Sahar Sobhkhizmiandehis Forschung konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Weltraumgeodäsie, Dynamik der oberen Atmosphäre und Geomagnetismus. Sie untersucht im Rahmen ihres GFZ Discovery Fellowship-Projektes in der GFZ-Sektion 1.1 Geodätische Weltraumverfahren zusammen mit der Sektion 2.3 Geomagnetismus, wie der Klimawandel und das sich entwickelnde Magnetfeld der Erde langfristig multidekadiale Trends in der Ionosphäre prägen – einer Atmosphärenschicht, die direkt die Satellitennavigation und -kommunikation beeinflusst. Sobhkhizmiandehi verbindet komplementäre Beobachtungen aus verschiedenen Daten, um einen beobachtungsbasierten Verständnisrahmen für ionosphärische Veränderungen zu schaffen. Zentrales Ziel ist es zu verstehen, wie verschiedene Faktoren die Thermosphäre langfristig beeinflussen, u.a. die Abkühlung dieser durch CO2-Anreicherung, die Veränderung des Magnetfelds und die Auswirkung von atmosphärischen Wellen aus den unteren Atmosphärenschichten, der Tropo- und Stratosphäre. Modelle basierend auf diesen Daten, werden zukünftig sowohl die Diagnose von Weltraumwetterphänomenen unterstützen als auch langfristige Verbesserungen der Globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) mit sich bringen, z.B. die Erhöhung der Genauigkeit der Positionsbestimmungen. Diese Erkenntnisse sollen langfristig Einblicke darin geben, wie die erdnahe Umgebung auf klimabedingte Veränderungen reagiert und soll parallel dazu beitragen, satellitenbasierte Technologien zuverlässiger machen.
Zur Person
Sahar Sobhkhizmiandehis forscht bereits seit 2019 am GFZ, vormals in der Sektion Geomagnetismus. Sie hat an der Universität Potsdam promoviert. Ihre wissenschaftliche Laufbahn begann mit einem Studium im Iran wobei ihr fachlicher Schwerpunkt in der Geodäsie, Geomatik und im Vermessungswesen lag.
Einfluss der Feinstruktur von Gesteinen auf Subduktionszonen
+++ Dr. Jannes Münchmeyer +++
In seinem GFZ Discovery Fellowship-Projekt untersucht Jannes Münchmeyer in der Sektion 4.1 Dynamik der Lithosphäre gemeinsam mit den Sektionen 2.4 Seismologie und 1.1 Geodätische Weltraumverfahren wie die Eigenschaften von Gesteinsstrukturen in einer Subduktionszone das Verhalten dieser über lange Zeiträume beeinflussen. Als Informatiker und Seismologe verbindet Münchmeyer geophysikalische Fragen mit der Entwicklung neuer Methoden zur Analyse großer Datenmengen. Erdbebenkataloge basierend auf Deep Learning haben die Dichte der nachweisbaren Mikrobeben fast verzehnfacht. Aufgrund der Menge an Daten sind derzeitige Methoden zur Lokalisierung dieser jedoch begrenzt. Ziel des Projektes ist eine entsprechende skalierbare Methode zur präziseren Verortung dieser Mikrobeben zu entwickeln. Basierend darauf plant Jannes Münchmeyer die Feinstruktur der Grenzflächen zu kartieren, welche sich auf das Verhalten der Subduktionszone auswirkt. Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, Daten aus verteilter akustischer Sensorik (DAS - Distributed Acoustic Sensoring) zu integrieren, einer Methode, die eine herkömmliche Telekommunikationsfaser in ein dichtes Sensornetzwerk verwandelt. Das ermöglicht kontinuierliche Aufzeichnungen in schwer zugänglichen Gebieten.
Zur Person
Jannes Münchmeyer hat Mathematik und im Nebenfach Informatik an der HU Berlin studiert. In den Jahren 2018 bis 2022 promovierte er in Kooperation mit dem GFZ und hat Deep-Learning-Methoden für die Erdbebenfrühwarnung und die Echtzeitabschätzung von Erdbebenstärke und -ort entwickelt. Er erhielt für seine Promotion zahlreiche Preise, u.a. den Helmholtz Promotionspreis (siehe GFZ-Meldung). Er kehrt nun nach drei Forschungsjahren als Postdoc am Institut des Sciences de la Terre (Grenoble, Frankreich) und einem sechsmonatigen Forschungsaufenthalt am Massachusetts Institute of Technology mit diesem GFZ Discovery Fellowship ans GFZ zurück.