Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung hat für gleich fünf Projekte im wettbewerbsintensiven Stipendienprogramm für Postdoktoranden „Marie Skłodowska-Curie“ (MSCA-2025-PF) der Europäischen Union eine Bewilligung erhalten. Ein herausragender Erfolg für unsere Wissenschaftler:innen und das GFZ! Drei Projekte sind in der Sektion 1.5 Weltraumphysik und Weltraumwetter angesiedelt und jeweils ein Projekt in der Sektion 1.3 Erdsystem-Modellierung sowie in der Sektion 3.2 Organische Geochemie.
Marie Skłodowska-Curie Actions Postdoctoral Fellowships
Mit einem Gesamtbudget von 404,292 Millionen EUR unterstützt das MSCA Postdoctoral Fellowship-Programm promovierte Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt. Aus weltweit über 17.000 eingereichten Anträgen an die EU wurden nur rund 1.600 Projekte ausgewählt und mit einem Stipendium ausgezeichnet. Dank der Marie Skłodowska-Curie Maßnahmen können Forschende – unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Alter – finanzielle Unterstützung für ihre innovativen und herausragenden Forschungsprojekte erhalten. Zudem haben sie die Möglichkeit, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, sowie gezielt am Ende ihres jeweiligen Stipendiums auch kurzzeitig in der Privatwirtschaft tätig zu sein, Kenntnisse zu vertiefen und so ihr fachliches Portfolio weiter zu stärken. Ziel des Postdoctoral Fellowship Programs (unter Horizon 2020 ehemals „Individual Fellowships“) ist es, attraktive Laufbahnmöglichkeiten für erfahrene Forschende zu schaffen. Das zentrale Element ist die länder- und fachübergreifende Mobilität, sodass sich Wissenschaftler:innen mit Hilfe des Fellowship-Programms einen Aufenthalt an einer Institution ihrer Wahl finanzieren können, aber eben auch, und das ist außergewöhnlich, praxisnah und angewandt ganz am Ende des Programms für eine Dauer von maximal 6 Monaten in der Privatwirtschaft in der EU bzw. in Horizon Europe assoziierten Ländern tätig sein.
Die im Folgenden beschriebenen Projekte und Wissenschaftler:innen sind am GFZ dieses Jahr im Rahmen des Stipendienprogramms MSCA-2025-PF erfolgreich gestartet:
ARBEN und SOFIA
Projekte zur Verbesserung der Modelle des Strahlungsgürtels und der Sonnenaktivität
I -„Advancing Radiation Belt Modeling with Nonlinear Wave-Particle Interaction“ (ARBEN) von Dr. Miroslav Hanzelka, aus der Sektion 1.5 Weltraumphysik und Weltraumwetter betreut durch Dr. Deodong Wang sowie:
II -„Intelligent analysis of solar activity for space weather forecasting“ (SOFIA) von Dr. Ekaterina Dineva, aus der Sektion 1.5, betreut durch Prof. Yuri Sphrits.
Die beiden Forschungsprojekte setzen ihren Fokus auf innovative Forschungsansätze, um Weltraumwettervorhersagen noch präzisier zu machen. Zuverlässige Weltraumwettervorhersagen sind eine sehr wichtige Voraussetzung, um technische Infrastrukturen – insbesondere Satelliten, Navigations- und Kommunikationssysteme, aber auch Luftfahrt- und Stromnetze – zu schützen und ihr Funktionieren kontinuierlich sicherzustellen. Die Erstellung der Modelle ist eine hochkomplexe Angelegenheit und bedarf kontinuierlicher weiterer Forschung.
ARBEN | Weiterentwicklung der Modellierung des Strahlungsgürtels mit nichtlinearen Welle-Teilchen-Wechselwirkungen
Im Rahmen des Projektes ARBEN wird ein physikalisch fundiertes Korrekturmodell entwickelt, das nichtlineare Welle-Teilchen-Wechselwirkungen systematisch in Modelle des Strahlungsgürtels einbezieht. Das Verständnis und die Vorhersage des Verhaltens hochenergetischer Elektronen in den Strahlungsgürteln der Erde sind unerlässlich, um weltraumgestützte Infrastruktur vor geomagnetischen Stürmen zu schützen. Der Projektverantwortliche Dr. Miroslav Hanzelka ist Weltraumphysiker und forschte bereits letztes Jahr bis Oktober 2025 als Postdoctoral Humboldt Fellow in der Sektion 1.5 „Weltraumphysik und Weltraumwetter“ am GFZ. Zuvor führte ihn seine Forschung ein Jahr an das Center for Space Physics der renommierten Boston University (USA). Aktuell ist er mit seiner Forschung am Institute of Atmospheric Physics der Tschechischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt. Das Projekt am GFZ wird er voraussichtlich Ende diesen Jahres beginnen.
SOFIA | Intelligente Analyse der Sonnenaktivität für die Weltraumwettervorhersage
Mit fortschrittlichen Methoden des maschinellen Lernens soll in diesem Projekt, die Vorhersage der Sonnenaktivität verbessert werden. Durch die Verbindung physikalisch fundierter und datengestützter Ansätze wird das Projekt SOFIA die Grundlage für genauere, zuverlässigere und praxistauglichere Weltraumwettervorhersagen schaffen. Die Projektverantwortliche Dr. Ekaterina Dineva promovierte 2021 am Leibnitz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) zum Thema „Spektroskopie der Sonne als Stern mit dem Potsdam Echelle Polarimetric and Spectroscopic Instrument (PEPSI)“. Nach zwei Jahren als Postdoc am AIP forscht die Sonnenphysikerin nun am Centre for Mathematical Plasma-Astrophysics der KU Leuven. Ihre Arbeit an SOFIA am GFZ beginnt im Dezember.
Folgende weitere Projekte wurden nachträglich* aus Brandenburger Mitteln bewilligt
III - „Unterstanding Energetic Particle Effects from near-Earth space to the lower atmosphere“ (EPPECT) von Dr. Xingzhi Lyu, aus der Sektion 1.5, betreut durch Prof. Yuri Sphrits
IV - „Revolutionising ocean climate monitoring through space-based magnetometry and Artificial Intelligence“ (PHOENIX) von Dr. Rafael Rigaud do Amaral, aus der Sektion 1.3 Erdsystem-Modellierung, betreut durch Dr. Jan Saynisch-Wagner
(V - Quaternary Glacial Fluctuations and Intracontinental Mountain Building in the Central Tian Shan“ (Q-GIMB-CTS) von Dr. Feng Li, aus der Sektion 3.2 Organische Geochemie, betreut durch Prof. Dirk Scherler.)
EPPECT | Verständnis der Auswirkungen energetischer Teilchen vom erdnahen Weltraum bis zur unteren Atmosphäre
Das Projekt EPPECT untersucht, wie sich energiereiche Protonen, die während geomagnetischer Stürme aus dem Ringstrom der Erde entweichen, auf die obere Atmosphäre und klimarelevante Prozesse auswirken. Das Projekt kombiniert Beobachtungen mehrerer Satelliten mit physikalischen Modellen, um so den Austritt energiereicher Protonen zu erfassen und damit auch Ursachen und die Auswirkungen auf die Atmosphäre zu quantifizieren. Dr. Xingzhi Lyu ist Physikerin in der Sektion 1.5 Weltraumphysik und Weltraumwetter am GFZ und ist dort Mitglied der Arbeitsgruppe zu Plasmawellen und Wellen-Teilchen-Wechselwirkungen. 2024 schloss sie ihre Dissertation zum Thema Modellierung der Dynamik von Elektronen in den Strahlungsgürteln und von Protonen im Ringstrom an der West Virginia University ab.
PHOENIX | Revolutionierung der Ozean-Klimaüberwachung durch weltraumgestützte Magnetometrie und Künstliche Intelligenz
Das PHOENIX-Projekt wird einen Grundrahmen entwickeln, um Schwankungen des ozeanischen Wärmeinhalts (OHC) anhand von elektromagnetischen Gezeitenfeldern (EM-Feldern) zu ermitteln. Durch die Kombination fortschrittlicher Modellierung mit maschinellem Lernen zeigt das Projekt, wie magnetische Satellitendaten in zuverlässige OHC-Indikatoren umgewandelt werden können. Dieser Ansatz wird neue Wege für die globale Klimaüberwachung eröffnen und die Verbindungen zwischen Geophysik und Klimawissenschaft stärken. Der Projektverantwortliche Dr. Rafael Rigaud do Amaral ist Geophysiker mit besonderem Fokus auf elektromagnetische Methoden und numerische Modelle. 2024 promovierte er an der ETH Zürich mit dem Thema Regionale magnetotellurische Untersuchung in der Mongolei: Bestimmung der Eigenschaften und des Aufbaus der Lithosphäre. Am GFZ arbeitet er nun seit dem 01.10. an PHOENIX.
Q-GIMB-CTS | Gletscher- und Gebirgsbildung im Zentralen Tian Shan Gebirge
Der Stipendiat Dr. Feng Li hat bereits im März 2026 ein Alexander von Humboldt-Stipendium angetreten und sich entschieden, dieses weiterzuführen, obwohl er auch für MSCA-2025-PF nominiert war und ein Stipendium der EU erhalten hätte. Dr. Feng Li forscht zur Gletscher- und Gebirgsbildung. Sein Projekt „Quaternary Glacial Fluctuations and Intracontinental Mountain Building in the Central Tian Shan“ (Q-GIMB-CTS) ) wird durch Prof. Dirk Scherler aus der Sektion 3.2 Organische Geochemie betreut.
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*Was bedeutet ‘nachträgliche Bewilligungen’?
Das Land Brandenburg (MWFK) hat nicht verwendete Mittel aus Europäischer Fonds für regionale Entwicklung EFRE von 2025 an die EU zurückgegeben und mit dieser die Vereinbarung getroffen, dass diese Mittel umgewidmet werden, um einige zusätzliche Brandenburger MSCA-PF Anträge zur Förderung vorzusehen. Hierbei wurden die Anträge nicht erneut begutachtet, sondern in der Reihenfolge berücksichtigt, die sich aus dem Ranking aus der EU-Evaluation ergeben hat. Insgesamt wurden hierdurch in Brandenburg neun weitere Fellowships vergeben, drei davon ans GFZ.