Moskitos sind die tödliche Tiere der Welt. Sie übertragen zahlreiche Krankheiten, an denen bis zu einer Million Menschen jedes Jahr sterben. Malaria fordert den größten Teil der Opfer mit jährlich mehr als einer halben Million Toten. Das Risiko ist dort besonders hoch, wo es viele Malaria-Mücken gibt. Stillstehendes Wasser bietet ideale Bedingungen für die Insekten – und gerade Überflutungen schaffen diese Lebensräume: Stehendes Hochwasser und insbesondere abfließende Fluten hinterlassen Tümpel, Pfützen und voneinander getrennte Oberflächengewässer, die als Brutstätten für Anopheles-Mücken dienen. Diese sind Wirtstiere für das Bakterium Plasmodium falciparium, das Malaria verursacht.
Es liegt also nahe, dass hochwassergefährdete Gebiete in den Tropen und Subtropen auch das Malariarisiko erhöhen. Schätzungen des Risikos in Überschwemmungsgebieten waren allerdings aufgrund unzureichender großflächiger Geodaten bislang nur begrenzt möglich. Nun zeigt eine neue Studie von Forschenden um Jeremy Eudaric von der TU München sowie Dr. Nivedita Sairam und Prof. Heidi Kreibich vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, dass in Ost- und Westafrika das Malariarisiko in hochwassergefährdeten Regionen im Vergleich zu den nationalen Referenzwerten erhöht ist.
In ihrer Studie integrieren die Forschenden um Jeremy Eudaric hochauflösende Hochwasserkarten (2000–2018) aus der Global Flood Database, Malaria-Inzidenzdaten aus dem Malaria Atlas Project sowie Bevölkerungsdaten über 492 hochwassergefährdete Zonen in 38 afrikanischen Ländern hinweg, die südlich der Sahara liegen. Die Forschenden haben statistische räumliche Modelle verwendet, um das relative Malariarisiko und dessen Einflussfaktoren zu bewerten. Das relative Risiko beschreibt die Differenz zwischen dem allgemeinen Malaria-Risiko und jenem Risiko, das nach einem Flutereignis entsteht.
Die Forschenden schätzen, dass 12 Millionen mit Plasmodium falciparum diagnostizierte Personen Hochwasserereignissen ausgesetzt waren, was einem Drittel der von Überschwemmungen betroffenen Bevölkerung entspricht. Die Ergebnisse zeigen insbesondere Schlüsselregionen mit erhöhtem relativem Malariarisiko. Es zeichneten sich deutliche regionale Muster ab. Betrachtet man einzelne Länder genauer, so weist Uganda die höchste Zahl an Infektionen mit dem Malariaerreger auf. Uganda sollte daher nach Hochwasserereignissen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Die Karten mit Schlüsselregionen können helfen zu identifizieren, wo Überschwemmungen und Hochwasser mit einer höheren Malariabelastung einhergehen. Die Studie informiert politische Entscheidungsträger:innen über die geografische Verteilung vulnerabler Zonen, die in der Vergangenheit besonders betroffen waren, und unterstützt so Strategien zur Malariabekämpfung.
In ihrem Ausblick schreiben die Forschenden, dass ihr Ansatz auch helfen könnte, künftige Gefährdungen zu erkennen. Zusätzliche Faktoren wie Pro-Kopf-Einkommen, Armutsniveau sowie Temperatur- und Vegetationsdaten könnten die Analysen weiter verfeinern.
Weitere Informationen:
Eudaric, J., de Ruiter, M. C., Sairam, N., Camero, A., Shahi, K. R., Smith, M. W., Zhu, X. X., Kreibich, H. (2026): Geospatial mapping of malaria risk in flood-prone zones of Sub-Saharan Africa. - Scientific Reports, 16, 18002. https://doi.org/10.1038/s41598-026-54811-7