Detailansicht

Meldungen

Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. Rolf Emmermann

Das GFZ trauert um seinen Gründungsdirektor. Rolf Emmermann leitete das GFZ von 1992 bis 2007 und prägte die Geowissenschaften seiner Zeit. Er ist am 10. Juli 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben.

Das GFZ trauert um seinen Gründungsdirektor Rolf Emmermann. Er ist am 10. Juli 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben. Er hinterlässt seine Frau, drei Kinder und 9 Enkel. 

Rolf Emmermann wurde am 12. Januar 1940 im Niedersächsischen Wolfenbüttel geboren. Er studierte zwischen 1959 und 1965 Mineralogie, Kristallographie und Geochemie in Braunschweig, Frankfurt am Main und München. Seinen Doktortitel erlangte er 1967 an der Universität Karlsruhe (damals Technische Hochschule), wo er sich 1973 im Fachbereich Mineralogie habilitierte. 1974 wurde er Professor an der TH Karlsruhe; 1981 wechselte er auf den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrologie an die Universität Gießen, wo er fast 25 Jahre lang forschte und lehrte. Von 1992 bis 2007 leitete er als Wissenschaftlicher Vorstand das GeoForschungsZentrum Potsdam GFZ (heute: GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung) auf dem Potsdamer Telegrafenberg. 

Prof. Dr. Dr. h.c. Rolf Emmermann war eine der prägenden Persönlichkeiten in den Geowissenschaften weltweit seiner Zeit. Es begann 1986 mit dem Kontinentalen Tiefbohrprogramm der Bundesrepublik Deutschland (KTB), dem ersten nationalen geowissenschaftlichen Großforschungsprojekt Deutschlands. Rolf Emmermanns erfolgreiche Leitung stellte einen großen Schritt in Richtung Integration der deutschen Wissenschaftslandschaft dar. Diese Arbeit ist auch international sichtbar geworden und bildete 1996 als „deutsches Erfolgsmodell“ die Basis für das Internationale Kontinentale Forschungsbohrprogramm ICDP. Auch ICDP wurde durch die Überzeugungskraft und Integrationsfähigkeit von Prof. Emmermann überhaupt erst ermöglicht und vorangetrieben. Heute steht es gleichwertig neben dem Internationalen Ozean-Bohrprogramm IODP. 

Die größte Leistung von Rolf Emmermann jedoch ist eng verbunden mit dem GeoForschungsZentrum Potsdam. Kurz nach der Wende wurde die Wissenschaftslandschaft in den neuen Bundesländern durch den Wissenschaftsrat evaluiert. Dabei wurde das damalige Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE) der Akademie der Wissenschaften der DDR sehr positiv bewertet und es begannen Überlegungen zur Weiterführung des Instituts. Zur gleichen Zeit hatten führende Geowissenschaftler in den alten Bundesländern unter Federführung und Koordination von Prof. Emmermann begonnen, eine Denkschrift zur Zukunft der Lithosphärenforschung im vereinten Deutschland zu verfassen. 

Dieses Konzept wurde 1991 dem damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) vorgelegt und positiv aufgenommen. So wurde auf Initiative von Emmermann der Grundstein für das GeoForschungsZentrum Potsdam, eine der drei neuen Großforschungseinrichtungen in den Neuen Bundesländern, mit überzeugenden Argumenten und einer klaren wissenschaftlichen, organisatorischen und politischen Zukunftsvision gelegt. 

Rolf Emmermann wurde 1991 zum Gründungsdirektor berufen und das neue Institut nahm zum 1. Januar 1992 seine Arbeit auf. Es ist eines der Verdienste von Prof. Emmermann, dass er insbesondere den Mitarbeitenden aus den neuen Bundesländern eine Perspektive gegeben hat und führende Wissenschaftler:innen aus allen wichtigen Disziplinen der Geowissenschaften für den Aufbau des GFZ in Potsdam gewinnen konnte. 

Eine weitere Leistung auf wissenschaftspolitischer Ebene war die Etablierung des Förderprogramms GEOTECHNOLOGIEN. Unter der Leitung Emmermanns ist es erstmals gelungen, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung zu einem gemeinsam getragenen und langfristig angelegten geowissenschaftlichen Förderprogramm zusammenzubringen. Die Etablierung dieses Förderprogramms, in dem Universitäten und nicht-universitäre Forschungseinrichtungen ein gemeinsam getragenes Forschungskonzept und eine gemeinsam verabschiedete Strategie erfolgreich umgesetzt haben, gehört zu den herausragenden Beispielen der Integration einer sehr diversifizierten Wissenschaftslandschaft, wie es gerade die Geowissenschaften in Deutschland waren.

Was im Lebenswerk von Rolf Emmermann immer eine große Rolle gespielt hat und eine Maxime seiner Handlungen war, ist die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Anfang 2005 etablierte Großprojekt zum Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean, das heute als indonesisches Frühwarnsystem (InaTEWS) betrieben wird. Dieses Projekt war nicht nur technologisch, wissenschaftlich und organisatorisch eine Herausforderung ersten Ranges, sondern kann auch als eines der Leuchtturmprojekte angesehen werden, mit denen die Wissenschaft unter Beweis gestellt hat, dass sie gesellschaftspolitische Verantwortung übernimmt. Es gab bei Rolf Emmermann keinen Moment des Zögerns, die in Deutschland vorhandene Kompetenz nach der Tsunami-Katastrophe am 25. Dezember 2004 im Indischen Ozean zu bündeln und der Bundesregierung diese humanitäre Hilfeleistung für Indonesien und den Indischen Ozean anzubieten. 

Sein Engagement ging weit über die Grenzen seines Faches und auch der Geowissenschaften insgesamt hinaus. Er war einer der Mitbegründer des Potsdamer Vereins ProWissen, der sich um die Vermittlung von Wissenschaft und Forschung in die Öffentlichkeit und um die Vernetzung von Wissenschaft und Gesellschaft kümmerte. Ebenso war er Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Prof. Emmermann war seit 2007 Mitglied und von 2011 bis 2015 Vorsitzender des Brandenburger Landeshochschulrates und leitete die Kommission zur Weiterentwicklung der Hochschulregion Lausitz (2010) im Auftrag der Landesregierung. 

In zahlreichen Ehrenämtern und Funktionen machte Rolf Emmermann sich für die Vermittlung von Wissenschaft stark, etwa als Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ), als Vorsitzender des Kuratoriums der Wissenschafts­pressekonferenz (WPK) oder als Präsident der GeoUnion, der Dachorganisation aller geowissenschaftlichen Fachgesellschaften und großen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Er war Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Academia Europaea und Mitglied (seit 2008 im Präsidium) der Deutschen Akademie der Technik­wissenschaften. Sein enormes Engagement wurde 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2001 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde  der Technischen Universität Braunschweig, 2002 der Verleihung der Walter-Kertz-Medaille der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, sowie 2005 mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg und 2007 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 

Prof. Susanne Buiter, Wissenschaftliche Vorständin des GFZ, würdigt den Verstorbenen: „Mit Rolf Emmermann verlieren wir nicht nur einen großartigen Wissenschaftler, sondern einen tatkräftigen Visionär, herausragenden Manager und Kommunikator für die Geowissenschaften. Das GFZ hat nicht umsonst seine höchste Auszeichnung für Verdienste um das Zentrum nach ihm benannt: die Rolf-Emmermann-Medaille. Unser Mitgefühl gilt seinen Hinterbliebenen. Wir werden Rolf Emmermann stets ein ehrendes Andenken bewahren.“ 

Weitere Meldungen

zurück nach oben zum Hauptinhalt