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GFZ-Doktorand:innen Lena Muhl und Tim Schöne bei der 75. Lindauer Nobelpreisträger-Tagung

Unter dem Motto „Interdisziplinarität“ trafen 600 herausragende junge Forschende aus aller Welt auf 70 Nobelpreisträger:innen, diskutierten über Wissenschaft, Karrierewege und entwickelten neue Ideen.

Vom 28. Juni bis zum 3. Juli 2026 hat die Wissenschaft ein besonderes Jubiläum gefeiert: die 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung in Lindau am Bodensee. Rund 70 Nobelpreisträger:innen der Medizin/Physiologie, Chemie und Physik trafen auf mehr als 600 herausragende Nachwuchsforschende aus aller Welt, um Jahrzehnte wissenschaftlicher Exzellenz zu feiern, in den Dialog zu treten und gemeinsam neue Ideen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln. In diesem Jahr stand das Thema Interdisziplinarität im Fokus. Unter den ausgewählten Teilnehmenden waren auch M.Sc. Lena Muhl, Doktorandin in der GFZ-Sektion 4.3 „Geoenergie“, die zum Thema Geothermie forscht, und M.Sc. Tim Schöne, Doktorand in der GFZ-Sektion 3.4 „Reaktive Fluide und Geomaterialien“, der zum Thema Endlagerung hochradioaktiver Abfälle forscht.

Die 1951 ins Leben gerufenen Lindauer Tagungen haben sich als ein weltweit anerkanntes Forum für den Austausch zwischen den Wissenschafts-Generationen etabliert. Sie inspirieren junge wissenschaftliche Talente und ermöglichen ihnen den Aufbau nachhaltiger, internationaler Netzwerke. 

Die Einladung zu diesem Ereignis gilt als große Auszeichnung und setzt höchste Qualifikationen voraus. Lena Muhl und Tim Schöne wurden im vergangenen Jahr vom GFZ vorgeschlagen, anschließend von der Helmholtz-Gemeinschaft nominiert und konnten sich erfolgreich in einem kompetitiven, mehrstufigen Auswahlverfahren durchsetzen.

Allgemeine Infos und Eindrücke von der diesjährigen Tagung finden sich auf der Website der Tagung.

Tim Schöne hatte die Ehre, seine Arbeit zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle im Rahmen der „Next Gen Science“‑ Session einem hochkarätigen Publikum vorzustellen. Damit repräsentierte er das GFZ auf internationaler Bühne in hervorragender Weise. Aus über 400 eingereichten Vorschlägen waren 54 Vorträge von den Nachwuchswissenschaftler:innen per Umfrage für dieses Format ausgewählt worden. 


Was hat es den beiden GFZ-Wissenschaftler:innen bedeutet, an der Nobelpreisträgertagung teilnehmen zu können?

Lena Muhl, Doktorandin in der Sektion 4.3 Geoenergie:

„Die Möglichkeit an der 75. Lindauer Tagung teilnehmen zu dürfen, war ein besonderes Privileg für mich. Die Gespräche mit anderen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern waren sehr inspirierend und haben den Blick in andere Forschungsfelder und Forschungsgruppen ermöglicht. Die Vorträge der Nobelpreisträger:innen haben mir gezeigt, dass Forschung weitaus mehr ist als Wissen schaffen und dass viele unterschiedliche Lebenswege zu Erfolg führen können. Persönliche Gespräche mit Nobelpreisträger:innen und mit Unterstützer:innen der Tagung waren sehr motivierend und haben mich darin bestärkt, neue Wege zu bestreiten und den Blick zu öffnen. Ein Blick über den Tellerrand, etwas Gelassenheit mit einer Prise Optimismus und intrinsischer Motivation sind eine gute Ausgangsbasis, um voranzuschreiten. Mir hat diese Woche viele Einblicke und Erfahrungen beschert, die mir auf meinen weiteren Lebensweg positiv in Erinnerung bleiben werden. Es war mir eine große Freude und Ehre, dabei sein zu dürfen. Ich freue mich darauf, mit einigen der dort geknüpften Kontakte weiterhin im Austausch zu bleiben.“ 

M.Sc. Lena Muhl forscht in ihrer Doktorarbeit zur Nutzung von umweltfreundlichen sogenannten Chelatbildnern zur chemischen Stimulation von geothermischen Reservoiren. Stimulation soll helfen, die Permeabilität, also die Durchlässigkeit des Gesteins zu verbessern und Fließwege zu schaffen, damit das warme Wasser zur Nutzung heraus- oder durchgepumpt werden kann.

Lena Muhl wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. wurde sie auf dem Deutschen Geothermiekongress 2023 für den besten Beitrag zur „Science Bar“ prämiert, wo Nachwuchsforschende ihre Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit als Poster präsentieren. Und sie belegte beim Brandenburger Science Slam in Luckenwalde den 1. Platz – anzusehen im Video.

Tim Schöne, Doktorand in der Sektion 3.4 Reaktive Fluide und Geomaterialien:

„In einem so frühen Stadium meiner wissenschaftlichen Karriere an einem so prestigeträchtigen Event teilnehmen zu dürfen, erfüllt mich mit enormer Dankbarkeit. Neben der Nahbarkeit, Bodenständigkeit und den wertvollen Tipps der Nobelpreisträger:innen hat mich vor allem die lebhafte, optimistische Atmosphäre und Einstellung der vielen Nachwuchsforschenden beeindruckt. Zu sehen, mit wie viel Leidenschaft, Überzeugung und Gestaltungswille weltweit an den Herausforderungen unserer Zeit gearbeitet wird und wie viele Lösungen die Wissenschaft bereits liefert, lässt mich in vielerlei Hinsicht noch hoffnungsvoller in die Zukunft blicken als zuvor.

Ein persönliches Highlight war für mich die Möglichkeit, im Rahmen der „Next Gen Science“-Session die Aufmerksamkeit auf die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle zu lenken. Einen Vortrag für ein so herausragendes, aber fachlich sehr breit aufgestelltes Publikum vorzubereiten und zu halten, war eine spannende Aufgabe, die mir großen Spaß gemacht hat. Besonders gefreut, und ehrlich gesagt auch ein bisschen überrascht, hat mich zudem, wie groß das Interesse an unserem Thema war. Schließlich bewegt man sich in Lindau neben gesellschaftlich und medial präsenteren Themen und Dauerbrennern wie z.B. Fortschritten in der Krebstherapie, der Entwicklung von Quantencomputern und den neuesten Halbleitertechnologien, und der Rolle von KI in alledem. Die vielen Gesprächen während der Tagung haben mir erneut gezeigt, wie relevant unsere Forschung ist und welches Potenzial in ihr steckt, Menschen dafür zu begeistern. Für meine weitere Arbeit motiviert mich das ungemein.“

M.Sc. Tim Schöne erforscht, wie sich gelöste Stoffe durch Tongestein bewegen, das ein potenzielles Wirtsgestein für die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll ist. Sein Fokus liegt auf den hydrogeologischen und hydrogeochemischen Prozessen, die den Stofftransport im Porenwasser von Tonsteinen sowie die Wechselwirkungen mit angrenzenden Grundwasserleitern steuern. Mithilfe numerischer Modelle analysiert er den Transport natürlicher Tracer wie Chlorid in diesen Systemen über Zeiträume von mehreren Millionen Jahren. Daraus leitet er Erkenntnisse für die Ausbreitung von Radionukliden ab, um spezifische Standortmerkmale für eine sichere Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen zu identifizieren und zu charakterisieren.

Er wurde bereits mit dem “2025 Outstanding Student and PhD Candidate Presentation (OSPP) Award” der European Geosciences Union (EGU) ausgezeichnet.

 

 

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