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Hilfe zur Selbsthilfe – Internationaler Trainingskurs zur Seismologie und Einschätzung der Erdbebengefährdung in Myanmar

Immer wieder erschüttern Naturkatastrophen Südostasien. Das am schmerzlichsten im Gedächtnis bleibende Ereignis ist dabei bislang ohne Zweifel der durch ein Erdbeben ausgelöste schwere Tsunami im Indischen Ozean von 2004, der über 230.000 Menschenleben kostete. Ein Naturereignis wie ein Tsunami wird dabei vor allem deshalb zur Katastrophe, weil es eine Region schlecht vorbereitet trifft. Nach der Tsunami-Katastrophe von 2004 wurde das GFZ mit der Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems beauftragt, 2008 ging das System an die indonesische Regierung. Auch an anderer Stelle unterstützt das GFZ die Region. So führt die GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik unter Leitung von Dr. Claus Milkereit* bereits seit 1992 im Rahmen des Aus- und Weiterbildungsprogramms der UNESCO einen Internationalen Trainingskurs „Seismologie und seismische Gefährdungseinschätzung“ durch. In diesem Jahr findet der Kurs in Myanmar statt.

Immer wieder erschüttern Naturkatastrophen Südostasien. Das am schmerzlichsten im Gedächtnis bleibende Ereignis ist dabei bislang ohne Zweifel der durch ein Erdbeben ausgelöste schwere Tsunami im Indischen Ozean von 2004, der über 230.000 Menschenleben kostete. Ein Naturereignis wie ein Tsunami wird dabei vor allem deshalb zur Katastrophe, weil es eine Region schlecht vorbereitet trifft. Nach der Tsunami-Katastrophe von 2004 wurde das GFZ mit der Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems beauftragt, 2008 ging das System an die indonesische Regierung. Auch an anderer Stelle unterstützt das GFZ die Region. So führt die GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik unter Leitung von Dr. Claus Milkereit* bereits seit 1992 im Rahmen des Aus- und Weiterbildungsprogramms der UNESCO einen Internationalen Trainingskurs „Seismologie und seismische Gefährdungseinschätzung“ durch. In diesem Jahr findet der Kurs in Myanmar statt.

In der vergangenen Woche startete der Kurs in Nay Pyi Taw, Myanmar. Noch bis zum 21. Oktober lernen 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus neun Ländern, wie sie Erdbeben analysieren und Standorteffekte bestimmen können. Sie erlernen dabei auch Methoden zur seismischen Gefährdungseinschätzung. In vielen Ländern der Region wird das Studium der Seismologie und der seismischen Gefährdungseinschätzung nicht an Universitäten angeboten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen von Universitäten oder Regierungsorganisationen ihres Landes, die sich mit dem Thema Erdbebensicherheit oder Erdbeben-Monitoring beschäftigen. Der Kurs richtet sich in erster Linie an GeowissenschaftlerInnen und IngenieurInnen, an TechnikerInnen und an DatenauswerterInnen von seismischen Stationen und Netzen aus von Geokatastrophen betroffenen Entwicklungsländern. Im Zentrum steht der Gedanke, Wissen zu vermitteln und die Länder so dazu zu befähigen, sich selber zu helfen.

Dr. Claus Milkereit: „Wenn Expertinnen und Experten in der Region so ausgebildet sind, dass potenzielle Katastrophen frühzeitig erkannt werden und die Regionen entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen treffen können, wird ein Naturereignis nicht zwangsläufig zur Katastrophe.“ Ein Ziel des Kurses ist es deshalb, die KursteilnehmerInnen zu qualifizieren, Monitoring- und Frühwarnsysteme in ihren Ländern zu installieren und eigenständig zu betreiben. Im Zuge der internationalen Zusammenarbeit wird dabei auch die Vernetzung der weltweiten seismologischen Überwachungssysteme vorangetrieben. Dabei spielt inzwischen die am GFZ entwickelte Software SeisComp3 in vielen regionalen Auswertezentren eine wichtige Rolle. Das GFZ bietet die Zusammenarbeit und den Datenaustausch mit dem globalen seismischen GEOFON-Netzwerk an und die zur Auswertung von Erdbeben benötigte Software.

Praxisorientierte Ausbildung durch Expertinnen und Experten

Insgesamt nehmen zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GFZ als DozentInnen an dem Kurs teil, daneben drei Mitarbeiter des Department for Meteorology and Hydrology, DMH, der Regierung von Myanmar, ein Geologe der Mandalay University in Myanmar und ein Wissenschaftler der University of Bergen, Norwegen. Die WissenschaftlerInnen und ExpertInnen richten sich jeweils in ihrem Spezialgebiet an die TeilnehmerInnen. Der Kurs gliedert sich in sechs Einheiten. Im Verlauf von vier Wochen lernen die TeilnehmerInnen Grundlagen der Seismologie kennen, etwa die Analyse von Seismogrammen; sie erfahren, wie erdbebeninduzierte Bodenbewegungen entstehen und lernen etwas über die Risikoeinschätzung von Erdbeben und über die geodynamische Modellierung. Immer gehen Theorie und Praxis Hand-in-Hand, so dass die TeilnehmerInnen das Gelernte unmittelbar anwenden können. Als letzte Übung steht die komplette Simulation eines Tsunami-Frühwarnsystems auf dem Programm.

Als Beispiele werden neben dem Tsunami von 2004 auch das schwere Beben in Nepal von 2015 und ein Erdbeben in Myanmar und deren spezielle Bruchmechanismen untersucht. Dr. Jörn Lauterjung, Direktor des GFZ-Departments Geoservices, und Daw Ye Ye Myein, DMH, erläuterten in ihren Keynotes die spezielle Tektonik Südostasiens und die dadurch entstehende Gefährdungslage durch Erdbeben und Tsunami. Lauterjung war Projektleiter für den Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean, GITEWS. Professor Torsten Dahm, Leiter der GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik, sprach als weiterer Keynote-speaker über die Rolle von induzierten und ‚getriggerten‘ Erdbeben bei der Einschätzung der seismischen Gefährdung einer Region. Dabei ist die induzierte Seismizität eine Form der Seismizität, die mit menschlichem Handeln in Verbindung gebracht wird. Als ‚getriggert’ gelten natürliche Ereignisse, bei denen der Zeitpunkt des Auftretens durch die menschliche Einwirkung bestimmt wird. So konnte beispielsweise nach dem Bau großer Staudämme eine erhöhte seismische Aktivität gemessen werden.

Ein Schwerpunkt des Kurses ist die grenzüberschreitende regionale und globale Datenauswertung. In den vergangenen Jahren hat die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Daten und frei verfügbarer Auswertesoftware zugenommen. Für die detaillierte Analyse der Bruchmechanismen stellt das GFZ unter dem Namen „Pyrocko“ beispielsweise Programme zur Verfügung, die auch Bestandteil des Unterrichts sind. Gibt es für eine Region einen langjährigen Erdbebenkatalog, kann damit durch die Analyse der seismischen Aktivität die Bodenbewegung zukünftiger Beben statistisch bestimmt werden.

Das GFZ führt den Kurs zusammen mit dem DMH durch, finanziell unterstützt durch das Auswärtige Amt. Das DMH ist für die Wetter- und Hochwasservorhersage, aber auch für die seismische Überwachung und die Tsunamiwarnung in Myanmar verantwortlich.

04.10.2016, Ariane Kujau

>>Mehr Informationen zum Kurs

*verantwortlich seit 2005. 1992-2003 Prof. Bormann, 2004 Dr. Wahlström

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